Die National League nimmt Stellung zu den Reformvorschlägen
18/03/2026
Die 14 Clubs der National League planen, mittelfristig die bestehende Entwicklungslücke beim Übergang vom Junioren- in den Profibereich zu schliessen. Durch die Anhebung der Altersgrenze auf U23 soll der sportliche Abstand zur National League verringert und die Ausbildungsarbeit in den Clubs gestärkt werden. Zu diesem Zweck hat der Strategieausschuss der National League am 10. März 2026 in Interlaken den Vertretern der Sky Swiss League und von Swiss Ice Hockey ein Positionspapier als Vorschlag präsentiert.
Dieser Vorschlag, erarbeitet von den Sportverantwortlichen der National League Clubs, ist seither Gegenstand interner und externer Diskussionen. Fakt ist, dass im Anschluss an die Besprechung vereinbart wurde, dieses Positionspapier bis Ende März mit den Sportchefs der Sky Swiss League zu besprechen und die Gespräche anschliessend fortzusetzen. Eine Integration von Juniorenteams in die Sky Swiss League war dabei nie vorgesehen und wurde zu keinem Zeitpunkt in diesem Sinne kommuniziert.
Der Übergang vom Nachwuchs- in den Profibereich ist im Schweizer Eishockey in den letzten Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Insbesondere der Schritt von der aktuellen Elite M21 in die National League stellt für viele Spieler eine grosse sportliche Herausforderung dar. Die Lücke im Niveau und in der Intensität zwischen Junioren- und Profi-Eishockey hat sich erheblich vergrössert, was dazu führt, dass sich nur wenige Spieler direkt und nachhaltig auf diesem Niveau durchsetzen können. Hier will die National League ansetzen.
Viele Entwicklungswege, aber wenig Struktur
Nach der U21-Elit-Liga durchlaufen viele Spieler eine entscheidende Entwicklungsphase: Sie verfügen über grosses Potenzial, erfüllen aber die physischen, technischen und mentalen Anforderungen des Profi-Eishockeys oft noch nicht vollständig.
Parallel dazu fehlt in der Altersklasse von 19 bis 22 Jahren eine klar strukturierte Entwicklungsstufe, die Spieler gezielt auf diesen Übergang vorbereitet.
In der aktuellen Struktur verteilt sich diese Phase oft auf verschiedene Wege: Teilnahme an der U21-Elit-Liga, sporadische Einsätze in der National League, Engagement in der Sky Swiss League oder ein Wechsel ins Ausland. Diese Wege funktionieren teilweise, führen aber nicht immer zu einer klaren und nachhaltigen Entwicklung der Spieler.
Ziel: Spezifische Vorbereitung auf das Profi-Eishockey
Hier setzt die angedachte Reorganisation der U21-Elit-Liga an. Ziel ist es, die beschriebene Entwicklungslücke zu schliessen und den Übergang vom Junioren- zum Profibereich stärker zu strukturieren. Eine leistungsorientierte Ausbildungsliga soll etabliert werden, um junge Spieler gezielt auf die Anforderungen des Profi-Eishockeys vorzubereiten. Dies soll den sportlichen Abstand zur National League verringern und die Ausbildungsarbeit in den Clubs stärken. Langfristig soll erreicht werden, dass mehr Schweizer Spieler diesen Schritt schaffen und sich dort nachhaltig etablieren können.
Die Folgen dieser fehlenden «Brücke» sind offensichtlich: Zu wenige junge Spieler schaffen den nachhaltigen Sprung in die National League. Parallel dazu nimmt die Abwanderung junger Talente ins Ausland zu. Der Markt für qualitativ gute und verfügbare Schweizer Spieler bleibt begrenzt, was zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und einem Anstieg der Kosten für die Clubs führt.
Das Kernelement: Die Altersanhebung
Ein Schlüsselelement dieser Reorganisation ist die Umwandlung der aktuellen U21-Elit-Liga in eine U23-Struktur, die Spielern bis 23 Jahre eine Plattform bietet. Diese Anhebung der Altersgrenze ermöglicht den Spielern mehr Zeit für ihre Entwicklung und einen längeren Verbleib in einem professionellen Ausbildungsumfeld.
Parallel dazu soll die Liga organisatorisch in die National League integriert werden, um die letzte Ausbildungsphase näher an das Profiniveau heranzuführen. Die Anzahl der Meisterschaftsspiele wird ebenfalls reduziert, um mehr Raum für Training, Athletiktraining, individuelle Entwicklung, Ausbildung und Regeneration zu schaffen. Der Fokus wird somit stärker auf die langfristige Entwicklung der Spieler und weniger auf die reine Spielbelastung gelegt.
Weitere wichtige Elemente der Reorganisation umfassen klare Regeln bezüglich des Spielereinsatzes, angepasste Arbeitsverträge und eine erhöhte Verantwortung der Clubs bei der Entwicklung ihrer eigenen Talente. Ziel ist es, ein stabiles und professionelles Ausbildungsumfeld zu schaffen, das auf die individuelle Entwicklung der Spieler ausgerichtet ist.
Auswirkungen auf das Hockey-Ökosystem
Die Implementierung einer solchen U23-Struktur wird auch Auswirkungen auf andere Ligen haben, insbesondere auf die Sky Swiss League. Heute werden viele junge Spieler aus den Ausbildungszentren der National League mit einer B-Lizenz an die Swiss League ausgeliehen. Derzeit sind 119 solcher Spieler in elf Clubs der Sky Swiss League im Einsatz.
Bleiben künftig mehr dieser Spieler in ihren eigenen U23-Elit-Organisationen, könnte sich die Kaderzusammensetzung der Sky Swiss League entsprechend verändern. Dies könnte auch neue Möglichkeiten schaffen: Die Sky Swiss League könnte sich stärker als autonome Profiliga für Erwachsene positionieren, mit mehr Kontinuität in den Kadern und einer verstärkten Rolle für erfahrene Spieler. Auch die Bedeutung der internen Talentförderung innerhalb der Clubs würde gestärkt.
Parallel dazu wird es weiterhin möglich sein, bestimmte Spieler über Ausleihen in anderen Ligen einzusetzen, um ihnen zusätzliche Spielerfahrung zu ermöglichen.
Zusammenarbeit mit der Sky Swiss League und der SIHF
Ziel ist es, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, bestehende Strukturen zu nutzen und die systemweite Zusammenarbeit zu stärken. Dies soll die Entwicklung junger Spieler nachhaltig verbessern.
Insgesamt zielt die Reorganisation darauf ab, die entscheidende Entwicklungsphase zwischen 19 und 22 Jahren im Schweizer Eishockey zu stärken. Die Schaffung einer strukturierten U23-Elit-Liga wird eine professionelle Ausbildungsplattform bieten, die junge Spieler auf das Profiniveau vorbereitet und langfristig die Integration Schweizer Talente in die National League verbessert. Diese Massnahme wird in Zusammenarbeit mit der Sky Swiss League, der MyHockey League und der SIHF entwickelt.