EHC Chur: Steht die 100-Prozent-Schweizer-Philosophie vor einer Lockerung?
01/11/2026
Im Frühjahr 2024, kurz nach dem Aufstieg in die Swiss League, verkündete der EHC Chur stolz die Absicht, auf jegliche ausländische Spieler zu verzichten, um sich für das Wohl des Schweizer Eishockeys einzusetzen. Zweieinhalb Jahre später zeigt diese identitätsstiftende Doktrin jedoch deutliche Risse und sorgt für regelmässige Diskussionen.
Bereits zu Beginn in der zweithöchsten Spielklasse beinhaltete dieses Prinzip einige administrative Anpassungen. Der Torhüter der französischen Nationalmannschaft, Martin Neckar, hütete das Tor (und tut dies auch heute noch), während Timo Demuth (Österreich), Darels Dukurs (Lettland), Emilijus Krakauskas (Litauen) und Simon Marha (Tschechien) im Aufgebot standen. Sie alle profitierten vom Vorteil einer Schweizer Lizenz, die sie während ihrer Juniorenausbildung erworben hatten. Doch der Club ging noch einen Schritt weiter: Nachdem im vergangenen Winter Nik Petrovic (ausgeliehen von Zug) eingesetzt worden war, stellt Chur derzeit den Tschechen Matej Pekar (ausgeliehen von Ambri-Piotta) auf, der über keine Schweizer Lizenz verfügt und somit als echter Importspieler zählt. Zwar erinnerte Sportchef Björn Gerhard damals daran, dass es sich um junge Akteure an der Schwelle zur National League handle und nicht um erfahrene Ausländer mit dominierender Eiszeit, doch auf dem Papier wurde die ursprünglich angekündigte Philosophie damit tatsächlich gebrochen.
Das Thema rückte letzte Woche bei einem Austauschtreffen zwischen den Clubverantwortlichen und rund 25 Fans wieder in den Vordergrund. Neben Fragen zur Präsenz des Langnau-Logos auf der Maske von Martin Neckar oder dem fehlenden Namen auf dem Trikot von Niclas Rentsch sorgte das Thema der ausländischen Verstärkungen für lebhafte Diskussionen. Präsident Carmine Di Nardo räumte dies denn auch unumwunden ein: «Unsere sportliche Strategie wird ständig diskutiert. Die Ausländerfrage ist auch bei uns ein Thema.»
Diese Überlegungen stützen sich auf zwei entscheidende Faktoren. Der erste ist finanzieller Natur: Die Kosten für einen gestandenen Ausländer entsprechen dem Gehalt von drei Schweizer Spielern, was für die begrenzten Finanzen des Bündner Clubs ein riskantes Unterfangen darstellen würde. Der zweite Faktor hängt mit der ungewissen Zukunft der Swiss League zusammen. Laut Björn Gerhard wird die Strategie massgeblich von der Ausrichtung der Liga abhängen – ein prioritäres Dossier für Marc Lüthi, der seit rund zwei Monaten als Präsident des Schweizer Eishockeyverbandes amtiert.
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